Aus Fehlern lernen

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Fehler machen zu dürfen, ist für die Innovationskraft eines Unternehmens von entscheidender Bedeutung. Mit gezielten Maßnahmen kann HR ein konstruktives und werthaltiges Fehlermanagement unterstützen.

„Wir gewinnen als ein Team  und wir verlieren als ein Team. Wenn man jeden nach einem Fehler feuern würde, wäre ich selber nicht mehr hier.“ In diesem Zitat von Ron Dennis, ehemaliger Chefstratege des McLaren-Mercedes Formel-1-Teams, steckt nicht nur die Erkenntnis, dass Fehler menschlich sind. Es zeigt auch auf, dass sie schlicht und ergreifend zu Entwicklungsprozessen gehören. Dennis wusste, dass im High-Tech-Umfeld des Rennsports nur derjenige erfolgreich sein kann, der auch mal was Neues ausprobiert. Und wer Neues versucht, fällt zwangsläufig auch mal auf die Nase. Dennis wusste das. Und akzeptierte es. Denn jeden Fehler mit Sanktionen zu beantworten, hätte gerade im Hinblick auf seine Renningenieure Stillstand bedeutet – und den darf sich eine Formel-1-Mannschaft genauso wenig erlauben wie Unternehmen in der globalisierten Wirtschaft.

Alte Verhaltensmuster durchbrechen

Doch was ist der richtige Umgang mit Fehlern? Unverzichtbar ist eine Unternehmenskultur, die ein sinnvolles Fehlermanagement erlaubt. Grundvoraussetzung dafür ist eine offene Fehlerkommunikation. In aller Regel versuchen die Betroffenen, Dinge unter den Tisch zu kehren, wenn etwas schief gelaufen ist. Getreu dem Motto „Nur keine schlafenden Hunde wecken“ geht kaum ein Mitarbeiter auf seinen Vorgesetzten zu, um ihm zu sagen, dass er etwas falsch gemacht hat. Personalabteilungen haben die Möglichkeit, diese Verhaltensmuster zu durchbrechen, indem Sie in der Zusammenarbeit mit den Führungskräften ein offenes Klima für die Angestellten schaffen und zu aufrichtiger Kommunikation ermutigen. Das bedeutet aber auch, Geschäftsführung und Abteilungsleiter davon zu überzeugen – etwa in internen Seminaren oder Schulungen –, dass Bestrafungen nicht zum Ziel führen, sondern ein positiver Umgang mit Fehlern erlernt werden muss. Das meint nicht, dass fahrlässiges Verhalten generell zu dulden ist oder Fehler irrelevant sind. Aber ein konstruktiver Zugang bei der Aufarbeitung ist genauso empfehlenswert wie besonders kreative Mitarbeiter vor allzu harscher Kritik zu schützen. Allein schon deshalb, weil Bestrafungen Menschen nur dazu bringen, Fehler vermeiden zu wollen. Folge ist der berüchtigte „Dienst nach Vorschrift“ – bekanntermaßen der Innovations- und Motivationskiller Nr.1.

Fehlersysteme entwickeln produktive Kraft

Anders ist die Lage, wenn der Mitarbeiter nicht direkt befürchten muss, dass „sein Kopf rollt“. Denn je früher ein Fehler erkannt wird, desto besser. Und wer könnte ein besserer Hinweisgeber sein, als derjenige, der den Fehler begangen oder verursacht hat? Zumal ein etabliertes Fehlersystem ohne direkte Schuldzuweisung eine ungeheure produktive Kraft entfalten kann. Penizillin oder Viagra sind prominente Beispiele dafür, wie aus fehlgeschlagenen Produktentwicklungen Innovationen entstehen können. Oder ein anderes, bodenständigeres Exempel: Bei 3M aus Neuss, laut internationalen Rankings einem der innovativsten Unternehmen der Welt, wurde vor ein paar Jahren ein neues Mittel zur professionellen Glasreinigung entwickelt. Da jedoch die Anwendung zu komplex war, konnte es sich nicht am Markt durchsetzen. Mit einer leicht veränderten Rezeptur kam das gleiche Produkt sechs Monate später als Imprägnierschutz in den Handel – und ging verkaufstechnisch durch die Decke.

Reflexion ohne Angst führt zu Innovation

Um zu verstehen, was den Totalflopp innerhalb von nur einem halben Jahr zum Verkaufsschlager gemacht hat, muss das Augenmerk auf einen weiteren Aspekt erfolgreicher Fehlermanagement-Kultur gelegt werden: ausreichend zeitlicher Raum zur Reflexion und Neuorientierung. Bei 3M genießen die Mitarbeiter ähnlich wie bei Google oder IBM ein festes Zeitbudget für kreative Angänge. Das gibt Ihnen auch die Möglichkeit, nach Fehlschlägen Handlungs- und Denkroutinen zu durchbrechen. Bekanntes und Gewohntes wird dabei in Frage gestellt, ein neuer kreativer und produktiver Prozess gestartet. Im Fall des Reinigungsmittels ließ der Fehlschlag dem verantwortlichen Chemiker keine Ruhe. Also investierte er seine freie Forschungszeit, um das Projekt neu aufzurollen und an einer neuen Rezeptur zu tüfteln – wie oben erwähnt mit großem Erfolg. Für Personaler ergibt sich daraus die Frage, inwieweit neben einer offeneren Fehlerkommunikation ein Stück mehr Zeitsouveränität für die Mitarbeiter die Innovationskraft des eigenen Unternehmens stärken kann. Klar ist, dass in Zeiten verkürzter Produktzyklen der Druck auf die Betriebe wächst. Um in immer kürzeren Abständen neue Entwicklungen anbieten zu können, braucht es Kreativität und Entwicklungsfreude. HR kann dies durch Vorschläge und Initiativen zu einer verbesserten Fehlermanagement-Kultur nachhaltig unterstützen. Wichtig ist es dabei vor allem auch, den Führungskräften vor Augen zu führen, wie stark das Unternehmen insgesamt von einem produktiven Umgang mit Fehlern profitieren kann – schließlich gestalten sie die Fehlerkultur im Unternehmen maßgeblich.

 

Bildquelle: istock.com

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