Sind junge Vorgesetzte schlecht fürs Arbeitsklima?

Die Zusammenarbeit von älteren Mitarbeitern und jüngeren Vorgesetzten birgt Konfliktpotenzial und kann zu massiven Problemen für das Betriebsklima führen. Das ist das Ergebnis einer 2016 durchgeführten Studie, die kürzlich im „Journal of Organizational Behavior“ erschienen ist. Mitarbeiter der Universität Konstanz sowie der WHU – Otto Beisheim School of Management untersuchten die Zusammenarbeit von Jung und Alt in 61 deutschen Unternehmen mit durchschnittlich 360 Angestellten.

Je größer der Altersunterschied, desto schlechter die Stimmung

Zu den Teilnehmern der Studie gehörten neben 7.800 Mitarbeitern auch 175 Führungskräfte. Jeder Befragte gab im Rahmen des Projekts dezidiert dazu Auskunft, wann und in welchem Maß er in seinem Job negative Gefühle empfindet. Das Ergebnis: Je größer der Altersunterschied zwischen einem jungen Vorgesetzten und einem Angestellten war, desto negativer war die emotionale Lage des Mitarbeiters. Und das völlig unabhängig von der jeweiligen Branche. Die Wissenschaftler führen das auf unterschiedliche Gründe zurück. Zum einen fühlten sich ältere Mitarbeiter mit jüngeren Chefs unwohl, da der Altersunterschied dem gängigen Karrieremuster widerspricht. Gelernt sei, das in Gruppen ältere Mitglieder über jüngeren stehen, ein junger Chef bricht mit dieser Norm. Und provoziere dann mitunter Neid, Unwohlsein und teilweise auch Feindseligkeit. Dazu komme das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit. Denn der Mensch vergleicht sich gern. Und ein Vorgesetzter geringeren Alters konfrontiere Mitarbeiter mit der Tatsache, dass sich ihre eigene Laufbahn im Vergleich schlechter oder langsamer entwickelt hat. Diese Erkenntnis könne für die Angestellten zu einer nicht zu unterschätzenden Belastung werden.

Junge Chefs sind (noch) selten

Noch ist die Konstellation „Junger Chef – älterer Mitarbeiter“ einer aktuellen Studie der Wirtschaftsauskunftei Bürgel zu Folge selten – im Durchschnitt beträgt das Alter von Führungskräften in Deutschland 51,8 Jahre. Doch insbesondere in jungen Branchen, beispielsweise im Technologie- und IT-Bereich, sind junge Vorgesetzte nichts Ungewöhnliches mehr. Unter anderem auch, weil so mancher Young Professional ergänzend zu seinen fachlichen Kompetenzen bereits im Studium Know-how zur Personalführung aufbaut. Zusätzlich bringen die Digital Natives oftmals automatisch die Fähigkeiten mit, nach der die fortschreitende Digitalisierung zwingend verlangt. Die Konsequenz: Ältere Mitarbeiter sehen sich öfter als früher einer neuen Generation an Vorgesetzten gegenüber.

HR: Umgang mit Konflikten

Wie sollten Recruiter und Führungskräfte mit einer solchen Konstellation umgehen? Was sollten sie beachten? Auf jeden Fall nicht einfach zum alten Prinzip von „Alt-führt-Jung“ zurückkehren. Stattdessen gilt es, die Altersstrukturen im Unternehmen im Auge zu behalten und insbesondere jüngere Chefs dazu zu befähigen, Spannungen abzubauen. Der beste Tipp dafür sind Einzelgespräche mit älteren Mitarbeitern, die ein Problem mit dem neuen Vorgesetzten haben. Hier ist es für die Young Professional ratsam, sich auf das Feedback der Kollegen einzulassen, den Austausch mit ihnen zu suchen und das eigene Verhalten auch mal selbst zu hinterfragen. Fakt ist aber auch: Wenn es nicht anders geht, darf sich die Führungskraft auch nicht scheuen, mal einen Konflikt auszutragen. Das Ergebnis und die Akzeptanz des jungen Vorgesetzten hängen dabei mitunter auch vom respektvollen Umgang ab.  Wichtig ist es für jüngere Chefs, den Angestellten gegenüber keine zu ausgeprägten Chefallüren an den Tag zu legen und die Ansichten und Bedürfnisse eines erfahrenen Kollegen ernst zu nehmen. Denn nur wenn die älteren Mitarbeiter sich einbringen und ihr über Jahre gewonnenes Know-how einbringen, können beide Seite von der Situation langfristig profitieren.

Was sind Ihre Erfahrungen mit der Zusammenarbeit von Jung und Alt – insbesondere wenn Jüngere Chefs der Älteren sind?

Bidlquelle: istock.com

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