#NextRecruiting17: Gedanken zur Zukunft der Jobauswahl

Winfried Felser und Henrik Zaborowski haben wieder zur Blogparade aufgerufen. Nachdem sich 2016 am Thema #whatsnext fast 50 Blogger (!) beteiligt hatten, geht es jetzt weiter, diesmal mit einer Blogparade zu #NextRecruiting17. Eine ganze Reihe interessanter Beiträge ist bereits veröffentlicht, viele befassen sich mit der Frage, wie Technologie das Recruiting verändern wird. Ein spannendes Thema, zu dem StepStone gerade auch einen Gastbeitrag für den HRM verfasst hat. Für die Blogparade haben wir uns überlegt, den Spieß einfach mal umzudrehen, um noch einen weiteren Blickwinkel zu ergänzen. Nämlich: Wie sollte eigentlich die Zukunft der Jobauswahl aussehen? Wie werden Menschen zu einer Entscheidung für oder gegen einen Job gelangen?

Holen wir zunächst kurz aus und machen uns klar, was der Beruf im Leben eines Menschen eigentlich bedeutet. Laut aktueller Marktforschungen verbringen Fachkräfte im Durchschnitt 5 Tage in der Woche 8,5 Stunden am Arbeitsplatz. Fast einen Monat im Jahr verbringen sie auf dienstlichen Reisen. Sie legen für den Job 46 Kilometer pro Tag zurück. 27 Tage im Jahr verbringen sie mit Pendeln. Bei fast jedem Dritten ist der Beruf täglich Gesprächsthema im Familien- und Freundeskreis, bei jedem Zweiten ist das Thema mehrmals wöchentlich präsent. Acht von zehn Fachkräften sind der Meinung, dass ihr Beruf ihr Privatleben beeinflusst – für 56 Prozent auf negative Weise. Eine AOK-Studie hat 2016 ergeben, dass Mitarbeiter, die sich am Arbeitsplatz unwohl fühlen, häufiger unter körperlichen und psychischen Belastungen leiden. Diese Aufzählung ließe sich fortführen, aber der Punkt wird klar: Der Job bestimmt über große Teile unseres Lebens.

Ein Jobwechsel – unzählige offene Fragen

Ein Jobwechsel ist daher ein großer Umbruch im Leben eines Menschen. Vielleicht verabschiedet er sich von lieb gewonnenen Kollegen – ohne zu wissen, ob er im neuen Job ebenfalls auf Menschen treffen wird, die auf seiner Wellenlänge liegen. Wie lange braucht er künftig ins Büro – wird er sich jeden Morgen über einen langen Stau ärgern? Wo kann er parken? Wo wird er zu Mittag essen? Muss er künftig einen Tag frei nehmen, wenn er einen Arzttermin hat? Kann er notfalls auch von zu Hause arbeiten, wenn sein Kind krank ist? Sitzt er im Großraum- oder Einzelbüro? Duzt er den Geschäftsführer oder muss er einen Termin mit der Vorzimmerdame vereinbaren, um vom Chef angehört zu werden? Sollte er in Zukunft für alle eine Flasche Sekt mitbringen, wenn er Geburtstag hat oder es lieber gar nicht erwähnen? Fragen wie diese scheinen vielleicht banal, aber die Summe der Antworten sind genau das, was Menschen brauchen, um sich fundiert für oder gegen einen Job entscheiden zu können.

Umso schockierender ist es, wie wenig ein Kandidat oftmals über eine neue Stelle und den Arbeitgeber weiß. Natürlich gibt es positive Ausnahmen, aber viele Jobsuchende waren bisher gezwungen, die Katze im Sack zu kaufen. Echte Aussagen zur Unternehmenskultur, von Mitarbeitern des Unternehmens? Konkrete Auskunft über Gehaltsmöglichkeiten? Ein Kennenlernen mit den künftigen Kollegen? Fehlanzeige! All das bekommt der Kandidat nicht, bevor er sich bewirbt. Und in den meisten Fällen bekommt er es nicht einmal, bevor er den Arbeitsvertrag unterschreibt. Der Kandidat trifft also eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen für sein Leben auf einer höchst löchrigen Informationsbasis.

Würden wir eine Beziehung mit jemandem eingehen, den wir kaum kennen? Gleich nach dem ersten Date zusammenziehen oder gar heiraten? Wohl eher nicht. Es mag Fälle geben, in denen das gut geht, aber in den meisten sicher nicht. Auch wenn man sich kennenlernt, bleibt natürlich ein Restrisiko – das gilt für eine neue Beziehung und einen neuen Job gleichermaßen. Aber das Restrisiko kann deutlich verringert werden, wenn man sich vorher ein umfassendes Bild voneinander machen kann.

Ein Job ist weit mehr als ein Aufgabenkatalog

Genau das wird künftig möglich sein. Besonders zwei Dinge beschleunigen derzeit diese Entwicklung: 1) die gute Verhandlungsposition von hoch qualifizierten Menschen, und 2) die technischen Möglichkeiten, die Transparenz sowie schnellen Zugriff auf Informationen überhaupt erst erlauben. Die Entscheidung für einen Job wird künftig nicht allein auf Basis einer Stellenanzeige, wie wir sie kennen, getroffen werden. Die Stellenanzeige mit Anforderungsprofil und Aufgabenkatalog wird nur ein Puzzleteil des umfassenden Bildes sein, das sich der Kandidat im Laufe seines Such- und Auswahlprozesses machen wird. Job und Unternehmen werden im Netz erfahrbar werden. Plattformen wie StepStone helfen dabei und werden zum virtuellen Karriereassistenten von Fachkräften.

Auch spielerische Tools, welche die persönliche Passung zwischen einzelnen Unternehmen und Kandidat bestimmen, werden Teil des Services solcher Assistenten sein. So kann der Kandidat beispielsweise schon vor einer Bewerbung einen Persönlichkeitsabgleich starten. Er beantwortet Fragen wie: In den Spa gehen oder lieber Wildwasser Rafting? Angenommen, Sie sitzen am Flughafen und warten: Sind Sie kurze Zeit später in ein Gespräch verwickelt oder lesen Sie? Fragen wie diese können Aussagen über den Persönlichkeitstyp des Kandidaten treffen. So erfährt er am Ende nicht nur, dass er künstlerisch kreativ ist und eine geschäftstüchtige Unternehmenspersönlichkeit hat. Sondern auch, dass er zu 98 oder vielleicht auch nur zu 73 Prozent mit dem rekrutierenden Unternehmen zusammenpasst. Zudem sieht er, welche Profile die anderen Mitarbeiter und bestimmte Teams in einem Unternehmen haben und welche Profile noch gesucht werden.

Wie sieht die Zukunft der Jobauswahl also aus? Wir glauben: Smarter, persönlicher und auf jeden Fall transparenter als jemals zuvor. Schon heute sind viele Berufsgruppen so gefragt, dass sie ihre Karrierepfade selbstbewusst planen können. In Zukunft werden sie zudem auch noch wissen, welche Unternehmen und Teams ihnen liegen dürften – vom Cultural Fit bis zum Gehalt. Davon profitieren auch die Unternehmen, denn Fachkräfte und Arbeitgeber werden künftig mit rasant steigender Sicherheit wissen, wer wirklich zu ihnen passt.

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