Fachkräftemangel: Wie Sie Ihr Unternehmen für Frauen attraktiver machen

Wer sich für die Familie eine Auszeit nimmt oder in Teilzeit arbeitet, muss Karriereeinbußen in Kauf nehmen – so sieht es zumindest die Mehrheit der für unsere diesjährige Gender-Studie befragten Fachkräfte. Von den Nachteilen betroffen sind in der Regel Frauen – oftmals hoch qualifizierte Frauen, die unter anderen Umständen noch mehr zum Unternehmenserfolg beitragen könnten. Wir haben die Ergebnisse der Gender-Studie, für die 5.000 Fachkräfte befragt wurden, für Sie analysiert und fassen zusammen, wie Sie die Potenziale ihrer Mitarbeiterinnen besser ausschöpfen können.  

Teilzeit ist immer noch ein Arbeitszeitmodell für Frauen
Auch 2017 fühlen sich hauptsächlich Frauen für die Kindererziehung zuständig. Die Folge: Sie sind diejenigen, die im Job familiär bedingt aussetzen und anschließend in Teilzeit arbeiten. Während 9 von 10 weiblichen Fachkräften nach der Geburt der Kinder eine Pause eingelegt haben, hat sich nur jeder fünfte Mann für eine Familienpause entschieden. Während Männer allerdings im Durchschnitt 1-2 Monate Elternzeit nehmen, setzt die Mehrheit der Frauen 12 oder mehr Monate aus. Unter den befragten Frauen arbeiten 20 Prozent in Teilzeit, bei den Männern sind es nur 4 Prozent.

Fachkräfte wünschen sich flexiblere Arbeitszeitmodelle
Teilzeitmodelle können eine gute Alternative für Fach- und Führungskräfte sein, wenn sie individuell gestaltet werden könnten. Das zumindest sagen 95 Prozent der Befragten, die sich vor allem flexiblere Arbeitszeiten wünschen. Auch Arbeitszeitkonten und die Möglichkeit, seine Arbeit im Home-Office zu erledigen, befürworten 8 von 10 Beschäftigten. Die Ergebnisse zeigen, dass es für Fachkräfte in Deutschland immer wichtiger wird, dass sich der Job zeitlich flexibel und individuell gestalten lässt.

Für Führungskräfte und HR ist das eine Chance:  So können Sie Ihre Mitarbeiter z.B. in Jahres- und/oder Feedbackgesprächen fragen, ob Sie sich andere Arbeitszeitmodelle oder mehr Flexibilität in bestimmten Arbeitsbereichen wünschen. Letztlich kann Ihr Unternehmen von Offenheit und Entgegenkommen profitieren: Bevor ein Talent  zum Wettbewerber wechselt, weil dieser ihm möglicherweise proaktiv flexible Teilzeitarbeit ermöglicht, sollten Sie überlegen, wie Sie ihm entgegen kommen können. Beschäftigte wissen es zu schätzen, wenn Sie initiativ nach Ihren Wünschen befragt werden und Sie nicht warten, bis sich der Frust angestaut hat. Im schlimmsten Fall steht der Mitarbeiter eines Tages bei Ihnen im Büro und setzt Ihnen die Pistole auf die Brust, z.B. in Form eines Konkurrenzangebots. Selbst wenn Sie Ihre Fachkraft dann noch halten können – seine uneingeschränkte Loyalität haben Sie vermutlich nicht mehr.

Teilzeit hat Vorteile – auch fürs Unternehmen
Die Hälfte der für unsere Studie befragten Teilzeitkräfte ist der Meinung, dass sie effizienter arbeiten als zu Zeiten mit einer vollen Stelle. Durch die reduzierte Arbeitszeit sind sie vermutlich noch stärker darauf gepolt, zu planen und zu priorisieren. Die Akzeptanz für reduzierte Arbeitszeit lässt laut Studie allerdings noch zu wünschen übrig. Fast zwei Drittel der Befragten sagen, dass eine lange Anwesenheit an ihrem Arbeitsplatz mit hoher Leistung gleichgesetzt wird. Die Hälfte der Befragten ist der Meinung, diese Präsenzkultur werde seitens der Führungskräfte gefördert. Die Umfrage zeigt aber auch, dass sich ein Wandel vollzieht: Immerhin ein Drittel der Fachkräfte nehmen derzeit eine Lockerung der Präsenzkultur im eigenen Unternehmen wahr. Auch hier können Personalverantwortliche und Führungskräfte aktiv werden: Analysieren Sie, inwieweit Angebote wie Home-Office und Gleitzeit in ihrer Organisationsstruktur realisierbar sind. Sprechen Sie mit Ihren Fach- und Führungskräften über passende Gestaltungsmöglichkeiten, die die Arbeitsmodelle flexibler machen. Nutzen Sie die Möglichkeit, in Pilotprojekten auszuprobieren, wie die zukünftige Arbeit in Ihrem Unternehmen aussehen kann.

Wege aus der Teilzeit-Falle
Neun von zehn Fachkräften wünschen sich das Rückkehrrecht auf Vollzeit, um aus der Teilzeitfalle zu kommen. Neben der befristeten Teilzeit mit Rückkehrrecht wollen Arbeitnehmer unter anderem auch bei der Kinderbetreuung Unterstützung. So wünschen sich 7 von 10 Beschäftigten einen unternehmenseigenen Kindergarten oder Zuschüsse zur Kinderbetreuung. Für Unternehmen können sich Hilfsangebote lohnen: Wie die Studie zeigt, würden vier von zehn weiblichen Fachkräften Vollzeit zu arbeiten, wenn sie optimale Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder hätten. Auch kann sich das finanzielle Investment des Unternehmens z.B. in Kinderbetreuungsmaßnahmen lohnen, da eine solche Unterstützung die Mitarbeiter enger an ihn bindet.

Frauen wollen verantwortungsvolle Führungspositionen
Die Studie zeigt auch, dass mehr als 40 Prozent der in Teilzeit arbeitenden Frauen in Zukunft gern eine Führungsrolle übernehmen möchten. Knapp 60 % der Fachkräfte (57 % aller Frauen) trauen sich eine Führungsposition in Teilzeit zu. 4 von 10 weiblichen Fachkräften glauben, dass eine verantwortungsvolle Führungsposition von mehreren Teilzeitkräften angemessen ausgefüllt werden könnte. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen etwas bewegen wollen – dass es ihnen aber zuweilen an Unterstützung mangelt. Frauen wünschen sich laut Studie speziell an weibliche Fachkräfte gerichtete Förderprogramme, verbindliche Frauenquoten für die Führungskräfte und Maßnahmen zur gezielten Förderung von Teilzeitkräften, um die Unternehmenslandschaft bunter und vielfältiger zu machen.

Hohes Potenzial an weiblichen Fachkräften: Nutzen Sie es!
Die Ergebnisse der Gender-Studie unterstreichen, dass viele Frauen trotz Familie Karriere machen möchten. Für Unternehmen lohnt es sich, auch Teilzeitkräfte bewusst zu fördern und zu unterstützen. Denn: Teilzeitkräfte, die sich vom Arbeitgeber wertgeschätzt fühlen, bleiben länger im Unternehmen, sind engagierter und stehen, wenn sie später wieder Vollzeit arbeiten wollen, als verlässliche und erfahrene Ressource zur Verfügung.

Bildquelle: istockphoto.com

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